Voltigier-Abenteuer auf Island – zwischen Wind, Pferden und unvergesslichen Momenten

Es gibt Reisen, die begleiten einen noch lange im Herzen.
Vor gut einem Jahr bekam ich eine Nachricht, die mich sofort neugierig machte: Kathrin Schmid, ehemalige deutsche Voltigiererin, lebt inzwischen auf Island und gibt dort Kindern Voltigierunterricht – auf Islandponys! Schon beim ersten Lesen spürte ich, dass dahinter eine besondere Geschichte steckt.

Kathrin erzählte mir, dass sie nach passender Ausrüstung sucht. Doch Voltigiergurte für Ponys sind selten – fast schon eine Rarität. Die meisten Modelle sind für Großpferde konzipiert und passen nicht optimal auf die kurzen, kräftigen Rücken der Isländer. Für mich war sofort klar: Das probieren wir aus.

Nach einigen inspirierenden Gesprächen stand der Plan fest – ich würde nach Island reisen, um die Gurte direkt vor Ort anzupassen.

Im Juli war es dann soweit. Mit Werkzeug, Gurten und einer großen Portion Abenteuerlust im Gepäck stieg ich ins Flugzeug. Schon beim ersten Atemzug auf isländischem Boden merkte ich: Dieses Land hat etwas ganz Eigenes. Die Luft ist klar, das Licht weich und gleichzeitig kraftvoll.

Kathrin erwartete mich bereits am Flughafen, und gemeinsam fuhren wir in den Nordwesten der Insel. Endlose Weiten, Mooslandschaften, schwarze Lavafelder – und mittendrin kleine, starke Pferde mit Mähnen, die im Wind tanzen.

Am nächsten Morgen fuhren wir zu einer Reithalle rund vierzig Kilometer entfernt – erstaunlich modern, mit Fußbodenheizung und einer kleinen Küche, in der schon der Kaffee duftete. Draußen warteten die Islandponys, geduldig und aufmerksam, mit diesem besonderen Ausdruck, den nur sie haben.

Das Voltigieren auf Isländern ist etwas ganz anderes. Ihre Gangarten sind weich, aber unregelmäßig – es gibt keinen klassischen Galopp wie bei Warmblütern. Balance und Gefühl sind alles. Umso wichtiger ist ein Gurt, der sich perfekt anfühlt und absolute Bewegungsfreiheit zulässt.

Ich passte die Gurte an, erklärte, zeigte, lachte – und sah in die neugierigen Gesichter der Kinder, die mit Begeisterung aufs Pferd stiegen. Am Ende des Tages veranstalteten wir ein kleines Turnier. Kein großes Spektakel, aber voller Freude. Die Kinder strahlten, die Eltern waren stolz – und ich spürte dieses tiefe Glück, wenn Handwerk, Herzblut und Leidenschaft zusammenfinden.

Weil es auf Island nicht nur diesen einen Voltigierverein gibt, machten wir uns auf eine kleine Rundreise. Von Stall zu Stall, von Pony zu Pony. Überall dasselbe Bild: Gastfreundschaft, Freude und dieses ehrliche Interesse am Voltigiersport.

Als ich am letzten Abend am Meer stand, den Wind im Gesicht und den Geruch von Pferden noch in der Nase, wusste ich: Diese Reise hat mich verändert.
Nicht nur, weil ich Island erleben durfte, sondern weil ich sehen konnte, wie viel Herzblut in dieser kleinen Voltigiergemeinschaft steckt.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung – und voller Respekt für Kathrin und all die, die auf dieser Insel den Voltigiersport mit so viel Leidenschaft leben.
Diese Tage auf Island haben mir wieder gezeigt, warum ich diesen Beruf liebe: weil er Menschen und Pferde verbindet.

Weiter
Weiter

Ausbildertagung in Altleiningen – wenn eine ganze Szene hinschaut